FKM/FPM
Definition und Normbezeichnungen (FKM vs. FPM)
FKM und FPM bezeichnen dieselbe Werkstofffamilie: Fluorelastomere. Das sind fluorhaltige synthetische Kautschuke, die in der Dichtungstechnik als Elastomerwerkstoffe für anspruchsvolle Medien und Temperaturen eingesetzt werden. In Datenblättern tauchen beide Kürzel auf, was oft zu der Frage führt, ob es sich um unterschiedliche Materialien handelt. Technisch ist die Zuordnung gleich, der Unterschied liegt im Normsystem.
FKM ist die Abkürzung nach ASTM D1418. FPM ist die Abkürzung nach ISO/DIN 1629. Welche Bezeichnung Sie sehen, hängt deshalb häufig davon ab, ob ein Datenblatt stärker im ASTM- oder im ISO/DIN-Kontext geführt wird. Für die Werkstoffauswahl ist das Kürzel allein jedoch selten ausreichend, denn entscheidend ist der konkrete Compound. Ein Compound ist die fertige Gummimischung aus Basispolymer, Füllstoffen, Vernetzungssystem und Additiven, die das reale Eigenschaftsprofil bestimmt.
Was bedeutet „Fluorelastomer“ in der Dichtungstechnik?
In der Dichtungstechnik gilt FKM/FPM als High-Performance-Elastomer, weil es in vielen Fällen eine hohe Beständigkeit gegen Öle, Kraftstoffe und zahlreiche Chemikalien bietet. Es wird daher häufig für O‑Ringe, Formdichtungen und andere Elastomerdichtungen eingesetzt, wenn Medien aggressiver sind oder die Temperatur deutlich über dem liegt, was Standardelastomere zuverlässig abdecken.
Eine praxisnahe Einordnung lautet: Wenn eine Dichtung dauerhaft mit Öl, Kraftstoff oder chemisch belasteten Fluiden in Kontakt steht und zugleich erhöhte Temperatur zu erwarten ist, wird FKM/FPM oft früh in der Werkstoffauswahl geprüft.
Typische Eigenschaften, die für Dichtungen relevant sind
Für Dichtungen zählen vor allem Eigenschaften, die den Dichtkontakt über Zeit stabil halten. FKM/FPM wird häufig gewählt, wenn Temperaturbeständigkeit und Medienbeständigkeit gleichzeitig gefordert sind. Viele Compounds werden für Einsatzbereiche bis etwa 200–220 °C genannt, wobei dieser Bereich stark von Rezeptur, Vernetzung und Einsatzdauer abhängt.
Auch bei der Chemikalienbeständigkeit gilt: FKM/FPM zeigt in vielen Fällen sehr gute Ergebnisse gegen Mineralöle und Kraftstoffe sowie gegen zahlreiche Lösungsmittel und Chemikalien. Ob ein konkretes Fluid wirklich geeignet ist, entscheidet am Ende jedoch die Medienliste bzw. die Freigabe des jeweiligen Compounds, denn zwei FKM/FPM-Qualitäten können sich deutlich unterscheiden.
| Eigenschaft (für Dichtungen) | Warum sie wichtig ist | Hinweis zur Einordnung |
|---|---|---|
| Temperaturbeständigkeit | beeinflusst Alterung, Elastizitätsverlust und Leckagerisiko | häufig bis ca. 200–220 °C genannt, compoundabhängig |
| Medienbeständigkeit | verhindert Quellung, Versprödung oder Rissbildung im Kontakt mit Fluiden | stark vom Medium und vom Compound abhängig |
| Druckverformungsrest | beschreibt Dichtkraftverlust nach langer Stauchung | zentrale Kennzahl für statische Dichtstellen |
Druckverformungsrest (Compression Set) als Auswahlkriterium
Der Druckverformungsrest (engl. Compression Set) beschreibt, wie stark ein Elastomer nach längerer Stauchung bleibend verformt bleibt. Bleibt eine Dichtung „platt“, sinkt die Rückstellkraft, und damit kann die Dichtpressung über die Zeit abnehmen. Gerade bei statischen Dichtungen und bei höheren Temperaturen wird dieser Effekt schnell zum dominanten Ausfallmechanismus.
In Datenblättern wird der Druckverformungsrest als Prüfwert angegeben, häufig in Anlehnung an ASTM D395 (die konkrete Prüfmethode und Bedingungen variieren je nach Datenblatt). Für die Praxis ist entscheidend, dass Sie den Wert immer zusammen mit Temperatur, Prüfzeit und Probengeometrie lesen, weil nur dann ein sinnvoller Vergleich möglich ist.
Grenzen, Varianten und typische Trade-offs
FKM/FPM ist nicht in jeder Situation die beste Wahl. Eine typische Grenze vieler Qualitäten ist die Kälteflexibilität. Bei tiefen Temperaturen können Standard-FKM/FPM-Compounds steifer werden, was Montage, dynamische Dichtfunktionen oder das Ansprechen bei kleinen Verformungen erschwert.
Zudem entstehen Zielkonflikte, weil Eigenschaften selten gleichzeitig maximiert werden können. Rezeptur und Vernetzung beeinflussen das Verhalten deutlich. In der Praxis entscheiden deshalb mehrere Randbedingungen gemeinsam: Medium, Temperaturbereich inklusive Spitzen, Bewegungsart (statisch oder dynamisch) und die Anforderung an den Druckverformungsrest. Eine Werkstoffentscheidung ist damit immer eine Abwägung zwischen Dichtheit, Lebensdauer und Randbedingungen der Anwendung.
Low-Temperature-FKM/FPM: wann sinnvoll, welche Kompromisse?
Low-Temperature-FKM/FPM wird eingesetzt, wenn die Dichtung bei niedrigen Temperaturen noch ausreichend elastisch bleiben muss. Das ist etwa relevant, wenn Anlagen im Freien starten, wenn Kaltstarts häufig sind oder wenn eine Dichtung bei Montage und Betrieb geringe Verformungsreserven hat.
Diese verbesserten Tieftemperatur-Eigenschaften werden oft über Rezeptur und Vernetzung erreicht. Dabei können sich andere Kenngrößen verändern, zum Beispiel das Setzverhalten oder die Hochtemperaturstabilität. Deshalb ist „besser bei Kälte“ in vielen Fällen eine gezielte Optimierung für eine bestimmte Anforderung, die anschließend gegen die übrigen Einsatzbedingungen geprüft werden muss.
Abgrenzung zu FFKM/FFPM und praktische Auswahlhinweise
Wenn FKM/FPM chemisch oder thermisch an Grenzen stößt, kommen perfluorierte Elastomere ins Spiel: FFKM (ASTM) bzw. FFPM (ISO/DIN). Diese Materialien haben einen höheren Fluorierungsgrad und bieten typischerweise eine noch bessere Chemikalien- und Temperaturbeständigkeit. In vielen Anwendungen sind sie jedoch deutlich kostenintensiver, weshalb sie meist erst dann sinnvoll sind, wenn die Randbedingungen es verlangen.
Für die Dichtungstechnik ist die wichtigste Konsequenz: Weder „FKM/FPM“ noch „FFKM/FFPM“ garantiert allein die Eignung. Maßgeblich sind die Compounddaten (Datenblatt, Medienbeständigkeit, Prüfdaten) und die konkrete Anwendung.
Kurz-Checkliste: welche Angaben müssen für die Auswahl vorliegen?
- Welches Medium liegt an (z. B. Hydraulikfluid, Kraftstoff, Lösungsmittel, Additivpakete)?
- Welcher Temperaturbereich ist real, inklusive Temperaturspitzen und Einwirkdauer?
- Welche Bewegung hat die Dichtstelle (statisch, oszillierend, dynamisch)?
- Welche Setzanforderung ergibt sich aus Einbauraum und Vorspannung (Druckverformungsrest relevant)?
- Welches Datenblatt gilt für den konkreten Compound, inklusive Prüfnormen und Prüfbedingungen?
Bei kritischen Medien oder Grenztemperaturen ist eine kurze Abstimmung mit Werkstoff- oder Dichtungsspezialist:innen oft sinnvoll, weil kleine Unterschiede im Compound große Auswirkungen auf Dichtheit und Lebensdauer haben können.












