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    Definition und Einordnung

    PEEK steht für Polyetheretherketon und ist ein hochleistungsfähiger, teilkristalliner Thermoplast. Teilkristallin bedeutet, dass der Kunststoff sowohl geordnete (kristalline) als auch ungeordnete (amorphe) Bereiche besitzt. Diese Struktur ist ein zentraler Grund, warum PEEK bei Wärme vergleichsweise formstabil bleibt.


    Werkstoffsystematisch gehört PEEK zur Familie der PAEK (Polyaryletherketone). In der Dichtungstechnik wird PEEK gewählt, wenn ein Bauteil unter hoher Temperatur, hohem Druck und in aggressiven Medien seine Form und Festigkeit behalten soll, etwa in Kontakt mit Ölen, Kraftstoffen oder vielen Chemikalien. Genau dort stoßen viele Standardkunststoffe an Grenzen, weil sie zu stark kriechen, erweichen oder chemisch altern.

    Materialeigenschaften mit Bedeutung für Dichtungen

    Für Dichtungen und dichtungsnahe Bauteile zählt bei PEEK weniger eine einzelne Kennzahl, sondern das Zusammenspiel aus Formstabilität, geringem Kriechen und Medienbeständigkeit. Diese Eigenschaften helfen, Dichtspalte kontrollierbar zu halten und die Funktion über längere Zeit zu stabilisieren, gerade bei Dauerlast und erhöhten Temperaturen.

    Als grober Orientierungswert wird für PEEK häufig eine Dauergebrauchstemperatur um etwa 250°C genannt. In der Praxis hängt die tatsächlich zulässige Temperatur jedoch stark von der konkreten PEEK-Qualität, der mechanischen Belastung, der Einbausituation und dem Medium ab.

    Teilkristallinität und Kriechbeständigkeit (Praxisbezug)

    In Dichtsystemen entscheidet oft das Spaltmaß (der verbleibende Spalt zwischen Bauteilen) über Sicherheit und Lebensdauer. Ein relevanter Mechanismus ist Kriechen, also ein langsames, dauerhaftes Nachgeben eines Werkstoffs unter konstanter Last. Wenn ein Stütz- oder Führungselement zu stark kriecht, verändern sich Passungen, Dichtspalte werden größer, und die Belastung der eigentlichen Dichtung steigt.

    PEEK zeigt im Vergleich zu vielen technischen Kunststoffen eine geringere Kriechneigung, besonders bei höheren Temperaturen. Dadurch bleiben Geometrien und Spaltverhältnisse in vielen Anwendungen länger stabil, was die Funktionsreserve eines Dichtsystems erhöht.

    Temperatur- und Medienbeständigkeit (Orientierungsrahmen)

    PEEK wird häufig dann eingesetzt, wenn Dichtungen oder Stützelemente gleichzeitig Temperatur, Druck und Chemikalien widerstehen müssen. Als Medium spielen in der Dichtungstechnik oft Öle, Kraftstoffe sowie zahlreiche chemisch aggressive Stoffe eine Rolle. Zusätzlich wird PEEK in vielen Quellen eine gute Hydrolyse- und Dampfbeständigkeit zugeschrieben, was für Anwendungen mit heißem Wasser oder Wasserdampf relevant sein kann.

    Zur Einordnung der Eignung hilft folgende kompakte Orientierung:

    Eigenschaft (für Dichttechnik) Relevanz Einordnung für PEEK
    Formstabilität bei Wärme stabiler Dichtspalt, stabile Passungen oft hoch durch Teilkristallinität
    Kriechbeständigkeit weniger Setzen unter Dauerlast häufig besser als bei vielen Kunststoffen
    Medienbeständigkeit geringere chemische Alterung oft gut gegenüber vielen Medien
    Dampf/Hydrolyse wichtig bei Heißwasser/Dampf oft gut, abhängig von Anwendung

    Rolle von PEEK in Hydraulik- und Pneumatik-Dichtsystemen

    In Hydraulik und Pneumatik ist PEEK selten das klassische Primärdichtmaterial wie ein Elastomer. Häufig übernimmt es konstruktive Funktionen im Dichtungsaufbau, vor allem dort, wo Druck und Spaltmaß kritisch sind. Ein typischer Ausfallmechanismus ist Extrusion: Ein weiches Dichtelement wird durch Druck in einen Spalt gedrückt. Dabei kann es zu Nibbling kommen, also zu Ausbrüchen oder Abscheren am Dichtkantenbereich.

    PEEK wird deshalb oft als Stütz-, Führungs- oder Verschleißelement eingesetzt. Welche Rolle sinnvoll ist, hängt von Druck, Temperatur, Extrusionsspalt, Bewegungsart (statisch, gleitend oder rotierend) und der Oberflächenqualität der Gegenlauffläche ab.

    PEEK als Stützring (Back-up-/Anti-Extrusionsring)

    Ein Stützring (auch Back-up- oder Anti-Extrusionsring) sitzt typischerweise neben einem O-Ring oder einem anderen weichen Dichtelement. Seine Aufgabe ist einfach, aber entscheidend: Er blockiert den Extrusionsspalt, damit der O-Ring unter Druck nicht in den Spalt fließt und beschädigt wird.

    PEEK ist für diese Funktion geeignet, weil es steif ist und unter Last vergleichsweise wenig kriecht. Beides hilft, den Spalt auch bei erhöhten Temperaturen und über lange Zeiten wirksam zu „stützen“. Trotzdem bleibt das Design maßgeblich: Selbst ein guter Stützring ersetzt keine passende Spalt- und Toleranzauslegung.

    Grenzen, Tribologie und Alternativen (PTFE, Polyamid)

    PEEK hat klare Stärken, doch in der Praxis zählen auch Grenzen. Der Werkstoff ist deutlich teurer als Standardkunststoffe und gilt als verarbeitungsanspruchsvoll, weil hohe Verarbeitungstemperaturen und engere Prozessfenster üblich sind. Für die Auswahl bedeutet das: PEEK lohnt sich vor allem dann, wenn die Anwendung die Leistungsreserven tatsächlich braucht.

    In bewegten Dichtstellen ist außerdem die Tribologie zentral, also das Zusammenspiel aus Reibung und Verschleiß. Das tribologische Verhalten hängt stark von der Gegenlauffläche, der Schmierung und der Werkstoffausführung ab. Deshalb werden häufig PEEK-Compounds eingesetzt, zum Beispiel mit Kohlefaser- oder PTFE-Anteilen, um Reibung oder Verschleiß gezielt zu beeinflussen. Auch hier gilt: Die beste Materialwahl bleibt wirkungslos, wenn Spaltmaß, Oberflächen und Einbauraum nicht zur Belastung passen.

    Wann PTFE oder Polyamid geeigneter sein können

    In vielen Dichtungsanwendungen wird PEEK mit anderen Kunststoffen verglichen, besonders mit PTFE und Polyamid. Eine knappe Abgrenzung hilft, die Auswahlparameter zu schärfen:

    Werkstoff Typischer Vorteil Typische Grenze (dichtungstechnisch)
    PTFE sehr niedrige Reibung, sehr hohe Chemikalienbeständigkeit oft mechanisch weicher; in Hochdruckfällen häufig nur mit Füllstoffen/Kombinationen sinnvoll
    PEEK hohe Steifigkeit, gute Temperaturfestigkeit, oft gute Medienbeständigkeit kostenintensiv; Reibung/Verschleiß stark an Systembedingungen gebunden
    Polyamid (PA) günstig, mechanisch robust meist geringere Temperatur- und Medienbeständigkeit als PEEK

    Für die Entscheidung sind in der Dichtungstechnik meist diese Fragen leitend: Welche Temperatur und welcher Druck liegen an, wie groß ist der Extrusionsspalt, welches Medium wirkt ein, und welche Bewegung bzw. Geschwindigkeit tritt auf. Bei komplexen Randbedingungen kann eine spezialisierte Auslegung und Werkstoffberatung sinnvoll sein.

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