Sekundärdichtung
Definition und Einordnung
Eine Sekundärdichtung ist ein zusätzliches Dichtelement, das eine Primärdichtung unterstützt. Sie wird eingesetzt, wenn die Primärdichtung zwar die Hauptaufgabe übernimmt, aber Restleckage (sehr geringe Leckage) oder ein Restölfilm (dünner Schmierfilm auf der Stange) weiter reduziert werden soll. Damit erhöht die Sekundärdichtung die Gesamt-Dichtheit und verbessert die Betriebssicherheit.
Der Begriff wird je nach Dichtungssystem unterschiedlich verwendet. In Hydraulikzylindern meint „Sekundärdichtung“ häufig eine zweite Stangendichtung hinter der Primärdichtung (Tandemanordnung). In anderen Dichtungskonzepten, zum Beispiel bei Gleitringdichtungen, bezeichnet „Sekundärdichtung“ oft eine Nebenabdichtung, die Umgehungsleckagen verhindert, also Leckpfade an Kontaktflächen oder Spalten außerhalb der Hauptdichtstelle schließt. Deshalb ist es fachlich wichtig, den Begriff immer systembezogen zu nennen.
Funktion und Aufgaben im Hydraulik- und Pneumatiksystem
In hydraulischen und pneumatischen Linearantrieben stellt sich praktisch immer die Frage: Wie viel Leckage nach außen ist zulässig, und wie stabil bleibt die Dichtfunktion über die Lebensdauer? Die Sekundärdichtung wirkt hier als nachgeschaltete Barriere. Sie reduziert den nach außen transportierten Ölfilm und fängt Mikro-Leckage ab, die an der Primärdichtung konstruktiv oder betriebsbedingt auftreten kann.
Ein zweiter Nutzen ist Redundanz. Wenn die Primärdichtung durch Verschleiß, kurzzeitige Druckspitzen oder Verschmutzung an Dichtwirkung verliert, begrenzt die Sekundärdichtung oft weiterhin die Leckage. Dadurch sinkt das Risiko von Umweltbelastung, Rutschgefahr oder Funktionsverlust, etwa durch Ölverlust im Hydraulikkreis.
Primärdichtung vs. Sekundärdichtung
Die Rollenverteilung wird am klarsten über Druckniveau und Schmierfilm verstanden. Die Primärdichtung ist die Hauptdruckdichtung. Sie hält den Arbeitsdruck und lässt meist einen kontrollierten Schmierfilm zu, damit Reibung und Verschleiß beherrschbar bleiben. Die Sekundärdichtung sitzt dahinter und arbeitet typischerweise bei deutlich geringerem Druck, dem sogenannten Zwischenraumdruck (Druck im Raum zwischen zwei Dichtungen). Sie streift einen Teil des Films ab und reduziert die Leckage nach außen.
| Merkmal | Primärdichtung | Sekundärdichtung |
|---|---|---|
| Hauptaufgabe | Arbeitsdruck abdichten | Restleckage und Restölfilm reduzieren |
| Druckniveau | hoch (Systemdruck) | niedrig (Zwischenraumdruck) |
| Schmierfilm | gezielt zugelassen | teilweise abgestreift / kontrolliert |
| Nutzen | Grundfunktion des Zylinders | Dichtheitsreserve, Sauberkeit, Redundanz |
Position im Dichtsystem und Wechselwirkungen mit weiteren Elementen
In einem Tandem-Stangendichtungssystem sitzt die Sekundärdichtung üblicherweise hinter der Primärdichtung in Richtung Zylinderinneres oder als zweite Stufe im Dichtpaket, je nach Konstruktionsprinzip. Entscheidend ist der Zwischenraum zwischen beiden Dichtungen: Er beeinflusst, wie sich Druck, Leckage und Schmierfilm verteilen. Wenn sich dort Druck aufbaut, kann das die Belastung der Sekundärdichtung erhöhen und die Reibung verändern.
Außen am Zylinder folgt oft ein Abstreifer (Wiper). Er entfernt Schmutz von der Kolbenstange, bevor Partikel in das Dichtpaket gelangen. So schützt er indirekt auch die Sekundärdichtung, weil abrasive Partikel sonst Dichtkanten schneller verschleißen. Führungs- oder Verschleißringe zentrieren die bewegten Teile und halten das Spaltmaß klein. Das stabilisiert die Dichtbedingungen, auch wenn diese Elemente selbst keine Leckageabdichtung übernehmen.
Abgrenzung: Abstreifer (Wiper), Stützring (Back-up Ring), Führungselemente
Diese Bauteile werden im Sprachgebrauch gelegentlich vermischt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben:
- Abstreifer (Wiper): sitzt außen und hält Staub, Wasser oder Schlamm ab. Er ist primär ein Schmutzschutz und nur in Nebenfunktion eine Dichtung gegen austretenden Film.
- Stützring (Back-up Ring): verhindert Extrusion (Auspressen) weicher Dichtwerkstoffe in Spalte bei hohem Druck. Er verbessert die Druckfestigkeit, reduziert aber nicht eigenständig die Leckage wie eine Sekundärdichtung.
- Führungs-/Verschleißringe: nehmen Querkräfte auf und reduzieren Verkanten. Damit schützen sie Dichtkanten, weil sie Metallkontakt und ungünstige Spaltänderungen vermeiden.
Auslegung: typische Materialien, Einsatzgrenzen und häufige Fehler
Die Auslegung einer Sekundärdichtung hängt vor allem davon ab, welches Medium (Hydrauliköl, Wasser-Glykol, Druckluft mit Ölanteil), welche Temperatur und welche Gleitgeschwindigkeit vorliegen. In der Praxis werden häufig Elastomere und Thermoplaste eingesetzt, etwa NBR oder FKM (Elastomere für Öl- und Temperaturbeständigkeit) sowie PTFE-basierte Werkstoffe (niedrige Reibung). Welche Kombination geeignet ist, entscheidet oft der Zielkonflikt zwischen Dichtheit und Reibung.
Fehler entstehen oft durch eine unpassende Balance aus Abstreifwirkung und Schmierung. Wenn die Sekundärdichtung den Schmierfilm zu stark entfernt, steigt die Reibung und es kann zu Trockenlauf kommen, also unzureichender Schmierung an der Dichtkante. Das erhöht den Wärmeeintrag und beschleunigt Verschleiß. Ein weiterer kritischer Punkt ist Druckeinschluss im Zwischenraum: Kann der Zwischenraumdruck nicht kontrolliert abgebaut werden, kann die Sekundärdichtung ungewollt stärker belastet werden, was wiederum Reibung und Dichtkantenstress erhöht.
Ob man überhaupt eine Sekundärdichtung braucht, hängt von der Frage ab, wie streng die Leckageanforderung ist und wie stark die Betriebsbedingungen schwanken. In weniger kritischen Anwendungen reicht oft eine einzelne Dichtstufe aus. In sensiblen Umgebungen oder bei hohen Anforderungen an Sauberkeit und Dichtheit ist die doppelte Ausführung dagegen häufig sinnvoll. Eine spezialisierte Auslegungsberatung kann helfen, Reibung, Dichtheit und Lebensdauer gezielt auszubalancieren.












