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Wann ist eine EPDM Dichtung die richtige Wahl?

Wenn eine elastische Dichtung dauerhaft Kontakt zu Wasser, Heißwasser oder Dampf aushalten muss, dann ist eine EPDM-Dichtung häufig die richtige Wahl. EPDM-Dichtungen überzeugen zusätzlich durch eine sehr gute Beständigkeit gegen Ozon, UV-Strahlung und Witterungseinflüsse und eignen sich deshalb auch für den Außeneinsatz.

Eine EPDM-Dichtung ist jedoch nicht beständig gegen Mineralöle, Fette und Kraftstoffe.

Wann ist eine EPDM Dichtung die richtige Wahl?

Wenn eine elastische Dichtung dauerhaft Kontakt zu Wasser, Heißwasser oder Dampf aushalten muss, dann ist eine EPDM-Dichtung häufig die richtige Wahl. EPDM-Dichtungen überzeugen zusätzlich durch eine sehr gute Beständigkeit gegen Ozon, UV-Strahlung und Witterungseinflüsse und eignen sich deshalb auch für den Außeneinsatz.

Eine EPDM-Dichtung ist jedoch nicht beständig gegen Mineralöle, Fette und Kraftstoffe.

Was ist EPDM

EPDM steht für Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk und bezeichnet eine Gruppe synthetischer Elastomere. Die Hauptkette aus Ethylen- und Propylen-Einheiten ist bei EPDM gesättigt und die für die Vernetzung notwendigen Doppelbindungen sitzen ausschließlich in den Seitengruppen. Deshalb gehört EPDM nach DIN ISO 1629 zur Gruppe der M-Kautschuke, also der Elastomere mit gesättigter Hauptkette.

Der Aufbau erklärt die gute Witterungsbeständigkeit von EPDM-Dichtungen. Ozon und UV-Strahlung greifen EPDM zwar auch an, sie wirken aber nur auf die Doppelbindungen in den Seitengruppen und nicht auf das gesättigte Hauptgerüst. Die Polymerstruktur bleibt damit stabil, das Material altert deutlich langsamer als Elastomere mit ungesättigter Hauptkette.

Eigenschaften von EPDM-Dichtungen

EPDM ist eine Werkstoffgruppe und keine einheitliche Mischung. Temperaturgrenzen, Medienverträglichkeit und mechanische Kennwerte hängen daher immer vom konkreten Compound und vom Vernetzungssystem ab. Zwei EPDM-Dichtungen können im Betrieb unterschiedlich reagieren. Trotzdem hat die Werkstofffamilie ein typisches Eigenschaftsprofil.

Temperaturbeständigkeit

Die Temperaturbeständigkeit von EPDM-Dichtungen hängt stark von der Mischung und dem Vernetzungssystem ab. Als Orientierung gilt für schwefelvernetzte Standard-Compounds ein Dauereinsatzbereich von etwa –40 °C bis +120 °C. Peroxidvernetzte Compounds sind mechanisch bis +150 °C einsetzbar, ein dauerhaft niedriger Druckverformungsrest wird in der Praxis bis etwa +130 °C sicher erreicht. Kurzzeitig vertragen peroxidvernetzte Mischungen Spitzen bis rund +170 °C.

Tieftemperatur-Compounds erweitern den unteren Bereich auf bis zu –50 °C, allerdings auf Kosten anderer Eigenschaften. Die konkreten Grenzen sind dem Datenblatt der jeweiligen Mischung zu entnehmen.

Chemische Beständigkeit

Medium Beständigkeit
Wasser, Heißwasser ✓ gut
Wasserdampf ✓ gut
Glykol, wasserbasierte Hydraulikflüssigkeiten ✓ gut
Bremsflüssigkeit auf Glykolether-Basis (DOT 3/4/5.1) ✓ gut
Polare Lösungsmittel (Aceton, MEK, kurzkettige Alkohole) ~ gut bis bedingt
Verdünnte Säuren und Laugen ✓ gut
Stark oxidierende Säuren (konz. HNO₃, H₂SO₄, Chromsäure) ✗ nicht geeignet
Ozon, UV, Witterung ✓ gut
Mineralöle, Hydrauliköle (mineralölbasiert) ✗ nicht geeignet
Kraftstoffe, Erdölprodukte ✗ nicht geeignet
Aliphatische und aromatische Lösungsmittel (Hexan, Toluol, Benzol) ✗ nicht geeignet
Halogenierte Kohlenwasserstoffe (z. B. Dichlormethan) ✗ nicht geeignet

Die Tabelle ist eine Orientierung. Bei kritischen Anwendungen ist die Freigabe immer auf Basis des konkreten Compounds und des konkreten Mediums zu prüfen, idealerweise mit Lagerversuchen nach DIN ISO 1817.

Härte und Druckverformungsrest von EPDM-Dichtungen

Die Härte liegt je nach Compound zwischen 40 und 90 Shore A, Standarddichtungen werden in 60 bis 70 Shore A gefertigt. Für die Praxis häufig relevanter als die Härte allein ist der Druckverformungsrest (DVR) nach DIN ISO 815. Er beschreibt, wie stark eine Dichtung nach längerer Kompression dauerhaft verformt bleibt. Ein niedriger DVR bedeutet, dass das Material seine Rückstellkraft behält und die Anpresskraft über die Betriebsdauer erhalten bleibt. Peroxidvernetzte EPDM-Compounds schneiden hier deutlich besser ab als schwefelvernetzte.

Peroxid oder Schwefel – welche Vernetzung für welchen Einsatz?

Schwefelvernetztes EPDM ist das klassische Standardmaterial. Es lässt sich kostengünstig herstellen, hat in der Regel höhere Reißfestigkeit und Reißdehnung und eignet sich gut für Anwendungen bis etwa +120 °C. Der DVR ist akzeptabel, aber nicht optimal.

Peroxidvernetztes EPDM ist die bessere Wahl für Dampf- und Heißwasseranwendungen. Es bleibt bei dauerhaft höheren Temperaturen stabiler, hat einen deutlich besseren DVR und behält seine Rückstellkraft länger. Der Preis dafür sind in der Regel etwas geringere Werte bei Reißfestigkeit und Reißdehnung sowie höhere Compound-Kosten.

Wer EPDM-Dichtungen für Dampfanwendungen oder dauerwarme Einsätze spezifiziert, sollte die Vernetzungsart deshalb ausdrücklich angeben. Die Unterschiede im Langzeitverhalten sind nicht vernachlässigbar.

EPDM-Dichtungen im Werkstoff-Vergleich

EPDM vs. NBR

NBR ist die klassische Wahl für Mineralöle, Hydrauliköle und Kraftstoffe. In Kontakt mit diesen Medien quillt EPDM auf, das Material nimmt Bestandteile des Mediums auf, vergrößert sein Volumen und verliert Härte und Rückstellkraft. Eine Dichtung, die weich wird, kann sich unter Druck extrudieren, die Dichtwirkung geht verloren.

Umgekehrt ist NBR bei Witterung, Ozon und UV deutlich unterlegen, hier altert es sichtbar schneller als EPDM. Bei Wasser ist NBR bis etwa +80 °C noch brauchbar, darüber wird EPDM klar zur besseren Wahl. Für Dampfanwendungen scheidet NBR aus. Die Werkstoffentscheidung folgt also der Medienverträglichkeit: Öl spricht für NBR-Dichtungne, Wasser, Dampf und Außenbewitterung sprechen für EPDM-Dichtungen.

EPDM vs. FKM

Bei FKM (Fluorkautschuk, bekannt unter dem Markennamen Viton®, oder auch FPM) verschiebt sich die Abwägung in Richtung Temperatur und Chemikalienbeständigkeit gegenüber Mineralölen, Kraftstoffen und aggressiven Medien. FKM ist die Wahl, wenn die Temperaturen dauerhaft über +150 °C steigen oder wenn Medien im Spiel sind, die EPDM angreifen.

Wichtig ist die häufig übersehene Einschränkung auf der Wasserseite: Standard-FKM ist gegenüber Heißwasser und Sattdampf nur eingeschränkt beständig, in gesättigter Dampf neigt FKM zur Hydrolyse. In der Praxis sollte Standard-FKM in dampfführenden Anwendungen +120 °C nicht überschreiten. Nur Spezialtypen wie Viton GF-S, GLT-S oder ETP-Compounds sind für höhere Dampftemperaturen geeignet, allerdings zu deutlich höheren Kosten.

Bei reinen Wasser- oder Dampfanwendungen im typischen EPDM-Temperaturbereich ist EPDM somit nicht nur die wirtschaftlichere, sondern technisch die robustere Lösung. Hinzu kommt das Argument der PFAS-Diskussion. Eine EPDM-Dichtung ist PFAS-frei, FKM enthält fluorierte Polymere und fällt in den Anwendungsbereich der laufenden europäischen Beschränkungsdiskussion.

Einsatzbereiche von EPDM-Dichtungen

Sanitär und Trinkwasser

EPDM ist eines der wenigen Elastomere, das regelmäßig mit Trinkwasserzulassungen erhältlich ist. In Deutschland ersetzt die KTW-BWGL des Umweltbundesamts schrittweise die alte Elastomerleitlinie. Die ursprünglich bis 1. März 2025 vorgesehene Übergangsfrist wurde mit der 3. Änderung der Übergangsregelung im Februar 2025 bis zum 1. Juli 2026 verlängert. Bis dahin sind beide Bewertungsgrundlagen parallel anwendbar, ab dem 1. Juli 2026 sind ausschließlich Prüfberichte nach KTW-BWGL gültig. International relevant sind WRAS (Großbritannien) und NSF/ANSI 61 (USA). Die DVGW W270 prüft die mikrobiologische Unbedenklichkeit, also die Vermehrung von Mikroorganismen am Werkstoff. Nicht jede EPDM-Dichtung ist automatisch zugelassen, für Trinkwasseranwendungen muss gezielt eine zertifizierte Compound eingesetzt werden.

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Dampf und Heißwasser

Eine Dichtung aus Peroxidvernetztes EPDM dichtet Dampf und Heißwasser zuverlässig ab und behält bei Temperaturen bis etwa +130 °C im Dauerbetrieb seine Rückstellkraft. In Heizungsanlagen, industriellen Dampfleitungen und der Haustechnik ist es das Standardmaterial für diese Belastungsklasse. Bei höheren Dampftemperaturen ist die genaue Compound-Auswahl entscheidend, bei zyklischer Beanspruchung ist eine konkrete Freigabe des Herstellers sinnvoll.

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Lebensmittel und Pharma

Die Eignung einer EPDM-Dichtung muss für die Lebensmittel- und Medizintechnik nachgewiesen werden. Denn nur mit lebensmittelechter Rezeptur eignet sich EPDM für wässrige Prozesse in der Lebensmitteltechnik. Für den US-Markt ist FDA 21 CFR 177.2600 der übliche Nachweis für gummiartige Werkstoffe. In Europa gilt die Verordnung (EG) 1935/2004 als Rahmenregelung, ergänzt durch die GMP-Verordnung (EG) 2023/2006. Für pharmazeutische Anwendungen ist zusätzlich USP Class VI üblich.

Bei Hänssler werden EPDM-Dichtungen in Standardgeometrien und nach Zeichnung gefertigt. Eine besondere Anwendung ist der Einsatz als Vorspannelement in PTFE-Dichtungen: Das EPDM-Element sorgt für die notwendige Vorspannung, während PTFE die Gleitelement bildet und die Dichtfunktion übernimmt.

Grenzen von EPDM-Dichtungen

EPDM-Dichtungen versagen im Kontakt mit Mineralölen, Erdölprodukten, aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen sowie halogenierten Verbindungen wie Dichlormethan. Das Material quillt auf, verliert Festigkeit und dichtet nicht mehr ab. Wer Hydrauliköl, Getriebeöl, Diesel oder Kraftstoff abdichten muss, greift zu NBR oder, bei höheren Temperaturen, zu FKM.

Bei der Differenzierung in der Beständigkeitstabelle wird deutlich: Pauschal ist EPDM nicht ungeeignet für „organische Lösungsmittel“. Polare Lösungsmittel wie Aceton oder kurzkettige Alkohole verträgt EPDM gut bis bedingt, unpolare Kohlenwasserstoffe und halogenierte Verbindungen sind dagegen ein Ausschlusskriterium.

Wenn unklar ist, ob eine EPDM-Dichtung für ein bestimmtes Medium und eine bestimmte Betriebstemperatur geeignet ist, lohnt sich die Rücksprache mit unseren Dichtungsspezialisten. Insbesondere bei sicherheitsrelevanten Anwendungen oder bei Zulassungsanforderungen in der Trinkwasserversorgung und der Lebensmittel- oder Pharmaindustrie.

Häufig gestellte Fragen zu EPDM Dichtungen

Welche EPDM Dichtungen gibt es?

Neben der alltäglichen Anwendung als Fensterdichtung werden EPDM-Dichtungen in der Industrie vielfältig als Flachdichtungen, O-Ring, Kolbendichtungen, Stangendichtungen oder Wellendichtring eingesetzt.

Wo werden EPDM Dichtungen verwendet?

EPDM-Dichtungen werden im Anlagenbau, in der Lebensmittelindustrie, der Ventiltechnik, in Kühlsystemen, Heizungsanlagen, der Sanitärtechnik und vielen weiteren Anwendungen eingesetzt. Insgesamt wird EPDM überall dort eingesetzt, wo Wasser das Medium ist, das abgedichtet wird.

Bei welchen Temperaturen können EPDM-Dichtungen eingesetzt werden?

EPDM-Dichtungen können je nach Compound zwischen –40 °C und +130 °C eingesetzt werden.

Wer fertigt EPDM Dichtungen für industrielle Anwendungen?

Es gibt spezialisierte Dichtungshersteller, die EPDM-Dichtungen für industrielle Anwendungen nach Standardmaßen und nach Zeichnung fertigen. Die Hänssler Kunststoff- und Dichtungstechnik GmbH überzeugt dabei vor allem durch die gemeinsame Entwicklung und kurzen Lieferzeiten (Express Fertigung).

Wo kann ich EPDM Dichtungen anfragen?

Bei der Hänssler Kunststoff- und Dichtungstechnik GmbH können sie EPDM Dichtungen über das Kontaktformular, per Telefon unter +49 621 48480-0 oder per E-Mail an haenssler@dicht.de anfragen.

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