Elastomerdichtungen

Elastomerdichtungen halten dicht, weil sie eine eigene Rückstellkraft haben und sich dadurch an die Dichtfläche anpressen. Welches Elastomer passt, entscheidet sich am Medium und an der Temperatur.
Was sind Elastomere?
Elastomere sind gummielastische Werkstoffe. Ihre Molekülketten sind zu einem Netz verbunden, das sich stark verformen lässt und danach wieder in die Ausgangsform zurückgeht. Dieses Netz entsteht bei der Vulkanisation und lässt sich nicht mehr auflösen. Chemisch vernetzte Elastomere schmelzen deshalb nicht, anders als Thermoplaste. Eine Sonderstellung hat thermoplastisches Polyurethan (TPU). Es gehört zu den Thermoplasten, lässt sich also aufschmelzen und entsprechend verarbeiten. Trotzdem verhält es sich gummielastisch, weil seine Ketten über harte Kettenabschnitte physikalisch zusammenhalten.
Die Eigenschaften von Elastomeren hängen von der Mischung ab. Je enger das Netz, desto härter und formstabiler wird der Werkstoff, dafür lässt er sich weniger dehnen. Zusätzlich stellen Füllstoffe wie Ruß und Weichmacher Härte und Festigkeit ein. Die Härte wird in Shore A angegeben (DIN ISO 48-4). Die Werkstoffgruppe wie NBR oder FKM gibt einen Großteil der Eigenschaften vor. Innerhalb der einzelnen Werkstoffgruppen gibt es, abhängig von der Zusammensetzung der jeweiligen Mischung, relevante Unterschiede.

Welche Elastomerdichtungen fertigt Hänssler?
Wir fertigen O-Ringe und X-Ringe, Flachdichtungen, Stangendichtungen, Kolbendichtungen, Abstreifer, Radial-Wellendichtringe, Rotationsdichtungen und auch Dichtungen mit großen Durchmessern bis 1500 mm.
Mit Ausnahme der O-Ringe und X-Ringe fertigen wir diese Teile spanend aus Halbzeug. Wir brauchen dafür kein Formwerkzeug. Das spart Werkzeugkosten, Vorlaufzeit und ermöglicht eine flexible Fertigung, weshalb wir auch Sonderabmessungen und Stückzahlen ab einem Teil realisieren. O-Ringe und X-Ringe sind in der Regel Formteile, die wir ab Lager liefern. Bei Sonderabmessungen und Sonderwerkstoffen drehen wir auch diese.
HNBR-Dichtungen
HNBR ist die wärmefestere Variante von NBR mit Dauertemperaturen bis etwa +150 °C und behält dabei die Ölbeständigkeit. Der Werkstoff kommt zum Zug, wenn NBR an der Temperatur, an Ozon oder am Verschleiß scheitert.
VMQ-Dichtungen
Silikon ist ein besonderes Elastomer: Sein Grundgerüst besteht aus Silizium und Sauerstoff statt aus einer Kohlenstoffkette. Daraus folgt der größte Temperaturbereich aller gängigen Elastomere, etwa −60 bis +200 °C, und der Werkstoff bleibt auch in der Kälte elastisch. Nur nach oben reichen FKM und FFKM weiter. Mechanisch ist Silikon schwächer als die übrigen Elastomere, es reibt stark und verschleißt schnell. An bewegten Dichtstellen ist es deshalb selten die richtige Wahl, und auch Heißwasser und Dampf verträgt es schlecht.
PU-Dichtungen
Polyurethan nimmt eine Sonderstellung ein. Wir fertigen PU-Dichtungen aus zwei Werkstoffvarianten: aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) und aus gegossenem, chemisch vernetztem Polyurethan. TPU gehört formal zu den Thermoplasten und ist damit kein klassisches Elastomer. Seine gummielastischen Eigenschaften erhält es über harte Kettenabschnitte, die die Molekülketten physikalisch zusammenhalten und zugleich wie eine Verstärkung wirken. Gegossenes Polyurethan ist chemisch vernetzt wie ein klassisches Elastomer und stellt unter Dauerlast entsprechend besser zurück. Beiden Varianten gemeinsam sind hohe Festigkeit, geringe Neigung zur Spaltextrusion und sehr gute Verschleißfestigkeit. Der Werkstoff sitzt deshalb vor allem in Hydraulikzylindern mit hohem Druck und langen Verfahrwegen. TPU relaxiert unter Dauerlast stärker als ein vulkanisiertes Elastomer, ab etwa +80 bis +100 °C deutlich. Für rein statische Dichtstellen, die allein von der Vorspannung leben, ist es deshalb selten die erste Wahl. Polyurethan kann durch Wasser und Feuchtigkeit hydrolysieren. Wir setzen deshalb in beiden Varianten ausschließlich hydrolysebeständige Typen ein. Für Heißwasser und Dampf bleibt trotzdem EPDM der passende Werkstoff.




Lassen Sie uns gemeinsam Ihre optimale Dichtungslösung finden.
Für Standardlösungen und Sonderanfertigungen bieten wir Ihnen eine individuelle Fachberatung.
Welche Angaben brauchen wir für Ihre Anfrage?
Unsere Elastomerdichtungen als Standardware
Nennen Sie uns das gewünschte Standardprofil und den Werkstoff aus unserem Katalog, dann fertigen und liefern wir Ihre Dichtung zügig. Zusätzlich ist es sinnvoll, uns Medium, Temperaturbereich, Druckbereich, Bewegung und Einbauraum Ihrer Anwendung mitzuteilen, damit wir das von Ihnen ausgelegte Dichtungssystem überprüfen können.


Gemeinsame Entwicklung und Sonderdichtungen
Wenn kein Standardprofil zum Einbauraum oder zu den Betriebsbedingungen passt, entwickeln wir die Elastomerdichtung gemeinsam mit Ihnen. Im direkten Austausch erfassen wir Medium und Reinigungschemie, Temperatur- und Druckprofil, Bewegung sowie Einbau- und Montagebedingungen und legen darauf aufbauend Profilgeometrie und Werkstoff aus. Wir betrachten die Dichtung als System, weil Dichtelement, Gegenlauffläche, Führung, Schmierung und Montage zusammenpassen müssen. CAD-Daten tauschen wir direkt aus, sodass Ihre Konstruktion genau weiß, welche Dichtung sie verbaut. Da wir Elastomere spanend fertigen, fallen für ein Sonderprofil keine Formwerkzeugkosten an. Prototypen stehen dadurch schnell zur Verfügung, und wir kommen bei Bedarf iterativ zur Serienlösung.











